Autor-Archive: alexandra

26. MÜNCHNER KG-WETTBEWERB // EINGEREICHTE KURZGESCHICHTEN

Elisabeth Rettelbach Das Leben ist eine Scheibe Ich verbringe das Wochenende mit einem Mann, der mir gleichgültig ist und den ich kaum kenne. Den ich vor 15 Jahren ein bisschen kannte und seitdem nicht mehr. Was heißt kannte. Das Leben ist eine Scheibe. Alle gehen ihren Weg geradeaus. Manchmal verheddern wir uns kurz, dann lösen […]

26. MÜNCHNER KG-WETTBEWERB // EINGEREICHTE KURZGESCHICHTEN

Daniela Graf Eat me, Elisa! Meine Beine sind nasse Bahnen. Und die Klingen stumpf, dass ich blute. Ich zähle die Härchen an den großen Zehen, jeweils drei sind es, verschieden lang, sie werden von alleine abgerissen, sobald ich enge Schuhe trage. Ich wuschle durch meine Haare. Kleine Tropfen formen sich an meinem Rücken. Es kitzelt […]

26. MÜNCHNER KG-WETTBEWERB // EINGEREICHTE KURZGESCHICHTEN

Marcel Häussler Schöner wohnen Was habe ich nicht alles für Harald getan. Damals, als er wie ein verirrter Welpe in meiner Kneipe aufgetaucht ist. Mich um Arbeit angebettelt hat. Kaum ein Tag, an dem er keinen Ärger hatte. Zu wem ist er gekommen, wenn er seine Pokerschulden nicht bezahlen konnte? Bitte, Frankie, nur einen Hunderter, […]

26. MÜNCHNER KG-WETTBEWERB // EINGEREICHTE KURZGESCHICHTEN

Julia Kersebaum Oliver Krieger sein. Oliver Krieger mietet sich ein Mädchen. Ich miete mir ein Mädchen. Drei Tage in einer Stadt, in der es nichts gibt, außer breiten, leeren Straßen. «Zu vermieten!»-Schilder in jedem zweiten Schaufenster. Starbucks, McDonalds, C&A. Und ich miete mir ein Mädchen. Zum Zeitvertreib.  Das Hotel ein Palast mit dicken Teppichen und […]

26. MÜNCHNER KG-WETTBEWERB // EINGEREICHTE KURZGESCHICHTEN

Felix Rieckmann Stadtpark, Ho Chi Minh City, April 2019. 1 Keiner nennt diese Stadt Ho Chi Minh City. Saigon, so ist es korrekt, das hört und liest man überall. Saigon, die Stadt des Wandels, die verwidderte französische Schönheit, der Motor des neuen Vietnams, mit ihren Wolkenkratzerparks und dem Wildwuchs ungezählter Gassen, getriebener Menschen auf Scootern […]

26. MÜNCHNER KG-WETTBEWERB // EINGEREICHTE KURZGESCHICHTEN

Marion Zechner Dings Kurz vor zehn. Hella setzte sich aufs Bett und schlang die Arme um die Knie, wie so oft in den vergangenen zwei Jahren. Zuerst war sie sich sicher gewesen, dass Dings freiwillig zurückweichen würde vor diesem täglichen Pulk von weißen Kitteln mit ihren flüssig gewordenen Fremdwörtern, die Tag für Tag in ihre […]

26. MÜNCHNER KG-WETTBEWERB // EINGEREICHTE KURZGESCHICHTEN

Julian Affeld SAMMELN UND VERSTREUEN Ich betrete die Sperrzone; SONA WIDTSCHUSCHENNJA, Zone der Entfremdung. Ich habe keine Papiere, bei mir nur eine mir leuchtende Vergangenheit. Ich komme unter den Bäumen hervor, zwischen den dürren Ästen hatte ich es schon gesehen: Weideland, zerzaustes, fahles Gras, ein Stück Holzzaun, Backsteinruinen, die, wer weiß, schon Ruinen waren damals, […]

26. MÜNCHNER KG-WETTBEWERB // EINGEREICHTE KURZGESCHICHTEN

Christian Pohlenz Zwischengeschoß Noch 83 Worte. Lächerlich in einer Unterhaltung, mörderisch hingegen, wenn man eine Rezension fertigzustellen und über das Buch so gut wie nichts zu sagen hat.   Aus dem Schlafzimmer erklang ein Bollern. Der Koffer, er war Marias mächtigste Waffe. Schon zwei Mal hatte sie ihn gepackt, war ausgezogen und dann wieder zurückgekehrt, wenn […]

26. Münchner KG-Wettbewerb // Eingereichte Kurzgeschichten

Bernhard Falk Sugarbaby Felix steht auf, stößt den Hocker zurück und geht ans Fenster. Vom zehnten Stock sieht die Welt da unten aus wie eine Eisenbahnlandschaft. Aber in Eisenbahnlandschaften stehen keine Wohnblöcke. Nur hübsche Einfamilienhäuser mit Gärten. Er blickt auf die Betontürme gegenüber, auf leere Straßen, auf ein paar Büsche, die gerade anfangen zu blühen. […]

26. Münchner KG – Wettbewerb // Eingereichte Kurzgeschichten

Joshua Beer Schwellengeruch In meiner Stammkneipe fragte mich mein Einschenker einmal: „Was ist bei dir eigentlich Heimat?“ Ich sah und hörte alles nur durchs Bier, das meiste sank so weg, doch diese Frage riss mich hoch. Heimat, das ist nicht leicht zu fassen, das zerfällt einem so, dachte ich. Aber ich sagte: „Heimat, das ist […]