Andrea Franke Nestbeschmutzer Nun ist endlich eine Hälfte der Familie tot, die Eltern, die den Bruder, die Schwestern und ihn selbst gezeugt, geboren, erzogen, hin und wieder mit dem Teppichklopfer aus ineinander verschlungenen Weidenzweigen gezüchtigt, im Kohlenkeller eingesperrt, herausgelockt, manchmal unerwartet gelobt, dann mit unerbittlicher Konsequenz ignoriert hatten. Sein Vater starb schon vor drei Jahrzehnten, […]
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Maren Dagny Wagner Das Team Der Eismann steht noch unten an der Straße. Fee kann das Dach des Wagens und ein Stück der gelben Markise aus ihrem Fenster sehen, die zwischen all den grauen Bürotürmen wie ein fröhlicher Farbtupfer leuchtet. Es ist ein erster warmer Tag im Frühsommer und das Mittagslicht bricht sich in den […]
Michael Milisterfer 25° und steigend. Echter Tumult. Schönes Durcheinander. Der Strang aus schwarzen, glänzenden Leibern war gerissen, an genau der Stelle, an der der Stock durch ihn hindurchgefahren war, mit dem Dr. Jona Stern einen bedeutungslosen Halbkreis in den lauwarmen Sand geschwungen hatte. Für eine kleine Zeit riss der plötzliche Graben den Gliederzug aus seiner […]
Michael Bertleff so ein holler So spät der Herbst schon Die roten Hagebutten An kahlen Ästen leben ist grenzwertig, die letzte grenze markiert der tod. er hat an meine türe geklopft. was ihn davon abhielt einzutreten, darüber kann ich nur spekulieren, denn jedes ende ergibt sich von anfang an aus einer verkettung von zufälligkeiten. ich […]
Ludwig Roman Fleischer GRENZGANG oder DAS MAGDALENENAMULETT An der alten Grenzstation vier Carabinieri in zwei Streifenautos. Weiter drüben das Ristorante al Confino, mein Vaterhaus, wenn man so will. Von der virusbedingt geschlossenen Grenze aus kann man es gut sehen: ein verfallenes Andenken an die einstige Grenzgeschäftigkeit in meiner Kindesheimat: Grenzstau, aus den Autofenstern gehaltene Hände […]
Christina Sothmann XT 500 Axel trägt jetzt Schnurrbart. Das sieht eigenartig aus, weil die meisten seiner Barthaare so weiß sind wie seine Haut und nur ein paar schwarze dazwischen wachsen – nicht wie graumeliert, sondern wie vergessen abzuwischen. Von einer charakteristischen Landmarke im unteren Gesichtsdrittel kann nicht die Rede sein; der Bart ist dünn, die […]
Alexander Diener Teil der Vereinbarung Natalie hat einen Mann in ihrem Zimmer. Das darf sie, das ist Teil der Vereinbarung. An eine Vereinbarung muss man sich halten. Ich sitze am Küchentisch und koche einen Tee nach dem anderen. Neben der Tasse liegt Natalies Kalender. Montag Zivilrecht und Öffentliches Recht. Dienstag Rechtssetzung und Rechtspolitik. Heute ist […]
Michael Heine Auf Engelsflügeln Die Nachricht hatte Susan Schmidt, 59, alleinstehend, den Boden unter den Füßen weggezogen, den kleinkarierten grauweißen Küchenfußboden. Auf dem sie jetzt lag, auf dem Rücken, ein Bein angewinkelt, und langsam wieder erwachte. Der Stuhl, an dem sie versucht hatte, sich festzuhalten, lag neben ihr. Sie starrte auf die leere weiße Decke, […]
Peter Bierewirtz Die Badehose Der graue Mann, der mich morgens müde aus dem Spiegel ansieht, hatte darauf vertraut, das Leben werde sich erkenntlich zeigen, wenn er ihm bescheiden und mit Vernunft begegnete. Meine Mutter aber unterschied Vernunft nie von Besserwisserei und mein Vater fand, für meine Ziele lohne es nicht, morgens aufzustehen. Was sich meine […]
Milan Weber Viel zu kaputt Sie spuckt einen weißen, schaumigen Klumpen Sabber in ihre Handfläche und hält sie mir hin. „Meinst du das ernst?“, frage ich. Sie legt den Kopf ein wenig zur Seite, sodass ihre Halsschlagader offenliegt, ihr Schwanenhals, Haut wie aus Öl. „Ich habe gerade in meine Hand gerotzt“, sagt sie. „Lass mich […]










